System: PC | Eingetragen: 13.07.2001 | Aktualisiert: - | Zugriffe: 8541
Feintuning und Millimeterarbeit
- Geheimniskrämerei in der Formel 1...
Haben Sie schon einmal beobachtet, wie die Teams, sobald das Auto in der Garage steht, Flügel und Reifen abdecken? Dies geschieht, damit die Konkurrenz bloß keine Rückschlüsse auf Strategie und Setup ziehen kann. Der findige Jean Todt beispielsweise stellte sich in fremden Boxengassen gerne mit karierten Hosen neben die gegnerischen Fahrzeuge, um auf Fotos besser Maß nehmen zu können! - Muß ich meinen Wagen überhaupt tunen?
Der Grundstein für ein erfolgreiches Wochenende liegt im Setup. Erst die richtigen Einstellungen der einzelnen Komponenten ermöglichen Ihnen eine sichere Kurvenfahrt und die maximale Leistung auf der Strecke. Um das ideale Setup zu finden, müssen Sie allerdings ein paar stunden pro Kurs investieren. Spätestens wenn Sie eine Dreiviertelstunde an der Spitze fahren und aufgrund eines nervösen Fahrverhaltens von der Piste kreiseln, werden Sie mehr Zeit und Mühe in die undankbare Aufgabe investieren. - Wie werden die Spoiler richtig eingestellt?
Die Aufgabe der Spoiler besteht darin, das Auto auf den Boden zu pressen, um ihm mehr Bodenhaftung in den Kurven zu verleihen. Eine höhere Bodenhaftung bedeutet, daß das Auto schneller durch die Kurven fährt und nicht so schnell ausbricht. Dieser Vorteil kostet jedoch aufgrund des erhöhten Luftwiderstandes eineiges an Endgeschwindigkeit auf langen Geraden. Außerdem verschleißen die Reifen durch den Anpreßdruck deutlich schneller. Die Frontflügel sollten in der Regel immer höher oder mindestens gleich hoch wie die Heckspoiler eingestellt sein, um ein Untersteuern zu verhindern. Als Eselsbrücke können Sie sich Folgendes merken: Kurse mit engen Kurven und kurzen Geraden (langsame Kurse) erfordern ein hohes Flügel-Setup und schnelle Kurse wie Hockenheim oder Monza eine niedrige Einstellung. - Wie stelle ich die Gänge optimal ein?
Den niedrigsten Gang ermitteln Sie in der langsamsten Kurve des Kurses und den höchsten Gang auf dem schnellsten Streckenabschnitt. Alle weiteren Gänge ergeben sich rechnerisch. Begeben Sie sich mit halb vollem Tank auf eingefahrenen Reifen auf die Piste und achten Sie in der langsamsten Kurve auf Ihren Drehzahlmesser und die ganganzeige. Sie sollten sich optimalerweise im ersten Gang befinden, während der Drehzahlmesser zwischen 50% und 75% anzeigen sollte. Dadurch ist gewährleistet, daß die Drehzahl nicht vollständig in den Keller sackt, wenn Sie einen langsameren Gegner vor sich haben. Den höchsten Gang ermitteln Sie auf eine ähnliche Art. Fahren Sie mit Vllgas in Richtung des schnellsten Teilstücks und achten Sie wiederum auf Gang und Drehzahl. Sie sollten sich im letzten Gang befinden und um die 75% der Drehzahl erreichen; ein wenig Reserve sollten Sie zurückhalten, da Sie im Laufe des Rennens an Gewicht beziehungsweise Treibstoff verlieren und schneller werden. Die dazwischenliegenden Gänge werden so eingestellt, daß eine stetig ansteigende, aber abflachende Kurve entsteht. Jeder nächsthöhere Gang sollte also einen kürzeren Abstand als zum vorigen aufweisen. - Wie ermittle ich die richtige Bremsbalance?
Die Bremsbalance vermeldet ein Unter- beziehungsweise Übersteuern und sorgt für maximale Bremskraft. Ihre Einstellung hängt wiederum stark von den Flügeln und deren Anpreßdruck ab. Sollten die Vorderräder an Bodenhaftung verlieren, so können Sie nicht mehr einlenken und fahren im schlimmsten Fall weiter geradeaus. Ein Übersteuern bewirkt das Gegenteil. Sie lenken nur ein wenig ein, aber die Hinterräder verlieren Haftung; dadurch dreht sich der Wagen hinten heraus und Sie werden vom Heck überholt. Bei der optimalen Bremsbalance liegt die meiste Bremskraft (zwischen 50 und 60%) auf den Vorderrädern und sowohl die Vorder- als auch die Hinterräder blockieren nahezu gleichzeitig. Wie Sie sich denken können, hat dieser Vorgang einen enormen Reifenverschleiß zur Folge, so daß Sie die Bremsbalance auf harten Reifen erkunden sollten! Mit Hilfe der Gewichtsverteilung können Sie die Bremsbalance positiv beeinflussen, sofern der Wert unter 50% beziehungsweise über 60% liegen sollte.
Die richtige Strategie
- Wie soll ich meine Strategie wählen?
Die Rennstrategie beinhaltet zwei grundsätzliche Punkte: Mit welchen Reifen soll man an den Start gehen und in welchen Runden und vor allem wie oft soll der Pilot zum Tanken an die Box fahren. Boxenstopp und Reifenwahl sind untrennbar miteinander verbunden! Mit welchen Reifen Sie an den Start gehen, hängt natürlich auch von Ihrem persönlichen Fahrstil, der Streckenbeschaffenheit und Ihrer Tankstrategie ab. Falls Sie es lieben, mit quietschenden Reifen um die Kurven zu rasen, sind die verschleißfreudigen Wechen nichts für Sie. Harte Reifen haben den Vorteil, daß sie länger halten, aber dafür bieten sie weniger Grip und kosten pro Runde ein paar Zehntel. Weiche Reifen - und einen damit verbundenen Zusatzstopp - sollten Sie dann wählen, wenn Sie pro Runde mindestens eine halbe Sekunde schneller fahren als auf den Hartwalzen. Über die gesamte Distanz ergibt sich somit ein Zeitgewinn von ungefähr 35 Sekunden, den Sie für den zusätzlichen Stopp benötigen. Mit weichen Reifen können Sie zudem leichter, also mit weniger Sprit an Bord, an den Start gehen. Je weniger Masse Ihr Bolide beschleunigen muß, desto schneller kommen Sie aus den Startlöchern! Sollten Sie weit vorne in der Aufstellung stehen und mit wenig Verkehr zu rechnen haben, sind weiche Reifen eine gute Wahl. Ist Ihr Startplatz aber in der hinteren Hälfte, sollten Sie eher die harte Variante wählen und den Tank gut füllen, um so lange wie möglich den ersten Boxenstopp hinauszuzögern!
Zusammenspiel der Einstellungen
- Wie wirken sich die einzelnen Einstellungen aus?
Begehen Sie nicht den Fehler und suchen Sie für jede Komponente separat ein Setup! Das Setup ist ein Zusammenspiel aus den jeweiligen Einstellungen der Komponenten. Wenn Sie beispielsweise das Getriebe optimal eingestellt haben und kurz vor dem Rennen die Flügel lieber doch etwas niedriger einstellen möchten, müssen Sie auch die Gänge erneut anpassen. Da das Fahrzeug nun schneller wird, können Sie den gängen mehr Weg gönnen. Dies bedeutet im gleichen Atemzug, daß Sie die Bremsbalance ebenfalls korrigieren müssen!
Überholen, aber richtig
- Wir überhole ich?
Daß Ihre Gegner Sie nicht freiwillig vorbeilassen, liegt in der Natur des Sports. Daß Sie wiederum an jedem zweiten verdammten Sonntag genau dies vorhaben, ebenfalls. Erfreulicherweise wurden die Gegner mit einer hohen Intelligenz ausgestattet und ein Überholen erweist sich in den höheren Schwierigkeitsstufen als ein kniffliges Unterfangen. Damit es trotzdem klappt, sollten Sie folgende Überholregeln beherzigen: - Die klassische Variante...
Bei der klassischen Variante, die Sie im Laufe Ihrer virtuellen Karriere wohl am häufigsten benutzen werden, saugen Sie sich vor einer langsamen Kurve in den Windschatten des Gegners. Kurz vor dem Bremspunkt, wenn Ihnen die Aerodynammik einen kleinen Geschwindigkeitsvorteil beschert, lenken Sie aus dem Windschatten in die Innenbahn ein. Bremsen Sie minimal später als Ihr Konkurrent und schieben Sie sich an seine Seite, damit er nicht mehr in die Ideallinie einlenken kann. Nun müssen Sie Ihr Lenkrad extrem stark einschlagen, um eine Kollision zu vermeiden. Schieben Sie sich auf der Innenbahn am Gegner vorbei, der zwar aufgrund des größeren Radius etwas schneller fahren kann, aber diesen Vorteil aufgrund der längeren Kurvenfahrt wieder verliert. Nachdem Sie den Scheitelpunkt passiert haben, müssen Sie bereits Ihre Fahrzeugnase vor die des Gegners geschoben haben. Falls nicht, wird der Gegner vor Ihnen aus der Kurve beschleunigen und Sie wieder nach hihnten verweisen. Sollten Sie die besseren Karten haben, geben Sie frühzeitig Gas und lenken so vorsichtig in Richtung Außenbahn ein, um eine Gegenattacke zu verhindern. Je früher Sie die Ideallinie einnehmen, desto weniger Gefahr droht Ihnen von hinten. Dieses Manöver ist nur dann erfolgreich abzuschließen, wenn Sie den Bremspunkt optimal erwischen und beim Herausbeschleunigen nicht zu früh auf dem Gas stehen. Je stärker Sie das Lenkrad beim Beschleunigen einschlagen haben, desto schneller und stärker bricht Ihr Bolide aus. Ein Tritt auf die Bremse oder auf das Gaspedal wird bei einem Lenkradeinschlag von mehr als zehn Grad zum Lotteriespiel. - Überholen in Kurvenkombinationen...
Etwas kniffliger wird es in S-förmigen Kurvenkombinationen oder Schikanen. Bevor der Vordermann in die Kurve einlenkt, sollten Sie bereits zum Überholen ansetzen. Kurz vor Kurveneinganz müssen Sie Ihre Fahrzeugnase bereits neben seinen Boliden geschoben haben, um ihn von der Ideallinie fern zu halten. Da Sie mit überhöhter Geschwindigkeit in die Kurve gefahren sind, müssen Sie nun stärker bremsen als Ihr zukünftiger Hintermann. Dies bedeutet zwangsläufig, daß sich Ihr Konkurrent ein wenig an Ihnen vorbeischieben wird. Glücklicherweise haben Sie in der letzten Kurve den Vorteil, daß Sie sich auf der Ideallinie und somit der schnelleren Außenbahn befinden. Während Sie nun frühzeitig das Gaspedal ins Bodenblech treten können, muß sich Ihr zähneknirschender Kollege damit gedulden, bis er die enge Kurveninnenseite gefahrlos passiert hat. Dieses Manüver ist nur dann von Erfolg gekrönt, wenn auch Ihr Nebenmann die Nerven bewahrt und nicht ins Schleudern gerät! Von Ihrem Teamchef ist Ihnen dafür ein dickes Lob sicher! - Wie verhindere ich, daß ich selber überholt werde?
Fahren Sie gnadenlos Kampflinie. Dies bedeutet, vor den Kurven dem Gegner jede Überholmöglichkeit zu nehmen, indem Sie die Ideallinie frühzeitig verlassen und genau dorthin lenken, wo Ihr Gegner Sie überholen möchte. Unter diesen Aktionen werden Ihre Rundenzeiten spürbar leiden, so daß Sie den Anschluß zur Spitze verlieren. Früher oder später wird es Ihrem Hintermann, sofern er mit mehr PS gesegnet ist, gelingen, an Ihnen vorbeizufahren. Unter Umständen ist es sinnvoller, den Gegner mehr oder weniger kampflos vorbeizulassen. Sollten Sie beispielsweise in drei Runden zum Tanken in die Box müssen, macht es keinen Sinn, zwei Sekunden pro Runde mit Kampflinien-Sperenzchen zu vergeuden, wenn Ihr Hintermann in fünf Minuten sowieso an Ihnen vorbeirast!
Grafik-Setup
Um es gleich vorwegzunehmen: Die Hardwareanforderungen sind enorm! Selbst auf einem PIII 500/Voodoo3 müssen Sie auf sehr viel Details verzichten, um ein flüssiges Rennen zu erleben! Sparen Sie nicht an der Bildwiederholrate! Wenn es um zentimetergenaues Bremsen geht, sind Framerates unter 30 pro Sekunde gleichbedeutend mit einem spektakulären Crash.
- Um das optimale Grafik-Setup für Ihr Computersystem zu ermitteln, sollten Sie zu Beginn sämtliche Details aufs Minimum reduzieren beziehungsweise abschalten. Lediglich diese Optionen sollten folgendermaßen eingestellt sein:
- Sichtweite: hoch
- Spiegel: ein
- Max. sichtbare Fahrzeuge: 12
- Auflösung: 640x480
- Starten Sie nun ein "Schnelles Rennen" und positionieren Sie sich auf Startposition 13, so daß sich alle Gegner, die angezeigt werden sollen, vor Ihnen befinden. Sobald der Start freigegeben ist, achten Sie auf die Bildwiederholrate. Unter dem jetzigen Wert wird sie nicht mehr fallen, da zurzeit noch alle Fahrer im Rennen sind und die Gegner dicht vor Ihnen stehen. Erscheint Ihnen der Bildaufbau noch extrem flüssig? Dann nehmen Sie noch folgende Einstellungen vor:
- Auflösung: 800x600
- Detailstufe Entfernung: mittel
- Textur-Details: mittel
- Mit diesen Einstellungen haben Sie bereits einen guten Überblick über die Streckenführung und das Geschehen vor Ihnen. Sollte Ihr Pentium immer immer noch über ausreichend Ressourcen verfügen, so können Sie sich an Ihr bevorzugtes Feintuning begeben.
Bugs im neuen Rennstall
- Auch EAs jüngster Sproß bleibt nicht von unliebsamen Bugs verschont! Daß die Anzahl der ausgefallenen Fahrzeuge auf der Lenkradanzeige nicht vom Gesamtfeld subtrahiert wird, ist noch zu verschmerzen. Gravierender ist allerdings, wenn die Boxencrew Sie direkt nach Ihrem Boxenstopp ein weiteres Mal an die Box ruft und Sie zu spät den Stopp absagen. Nun kann es passieren, daß sich der Begrenzer plötzlich von selbst einschaltet. Bevor Sie also einen Motorschaden vermuten, drücken Sie sicherheitshalber einmal die Taste für den Begrenzer oder deaktivieren Sie die Hilfe in der Boxengasse.
- Realistisch wurde das Verhalten der Kommissare umgesetzt. Erinnern Sie sich an den Windabweiser-Skandal bei Ferrari vor dem letzten Rennen der Saison 99? Auch in F1 2000 sind manche Entscheidungen des Gremiums nur schwer nachvollziehbar. So bekommen Sie manchmal, insbesondere in Imolas erster Kurve, eine Zeitstrafe wegen Abkürzung aufgebrummt, wenn Sie auf der Innenseite einen Gegner überholen und nicht einmal den Asphalt verlassen!
- Apropos Zeitstrafe: Kennen Sie den Unterschied zwischen einer Zeitstrafe und der schwarzen Flagge? Die Kommissare anscheinend nicht. Sobald Sie eine Zeitstrafe aufgebrummt bekommen, kriegen Sie im gleichen Moment die schwarze Flagge eingeblendet. Schön, wenn man sich einig ist.
- Etwas überschaubarer geht es bei den Streckenposten zu. Trotz aktivierter Flaggenregel treffen Sie selbst bei Massenkarambolagen auch eine Runde später keinen gelbschwenkenden Flaggenposten an, auch wenn ein Auto mitten auf der Ideallinie liegen geblieben ist!
Quelle:
PC Action
5/2000
Seite 157-160
Eingetragen von: System
Für alle die uns schneller wieder finden wollen [Bookmark US !]
Bookmarks, Lesezeichen, Favoriten, ...:
Netscape Nutzer bitte [Strg] + [D] drücken
Internet Explorer Nutzer bitte hier klicken
Opera Nutzer bitte [Strg] + [T] drücken